Tod im Auetal

30. November 2012

Inhalt:

Die Hauptrollen in diesem Krimi spielen Oberkommissarin Ilka Hansen und ihr türkischer Kollege Cem Kayaoğlu. In ihrem ersten Fall werden sie zu einem abgebrannten Lagerschuppen gerufen, in dem die verkohlte Leiche von Marion Wolff gefunden wurde. Als dann noch der Anwalt Axel Steinberger tot im Fischteich aufgefunden wird, stehen Ilka und Cem zunächst vor einem Rätsel. Schnell fällt der Verdacht auf den eiskalt wirkenden Dennis Höfer. Er saß wegen Mordes an seiner Frau zehn Jahre im Gefängnis und war erst zwei Tage vor dem Brand wieder nach Stade zurückgekehrt. Als Ilka und Cem dann noch herausfinden, dass die Toten Marion Wolff und Axel Steinberger mit verantwortlich an der Verurteilung von Dennis Höfer waren, scheint der Fall gelöst zu sein. Doch die Wahrheit ist eine ganz andere …

Michael Romahn:
Tod im Auetal

Broschiert: 232 Seiten
Verlag: Medien Contor Elbe; Auflage: 1 (30. November 2012)
ISBN-10: 3938097280
ISBN-13: 978-3938097281

zu beziehen unter:
www.amazon.de, oder im Buchhandel

Leseprobe:

Freitagabend, 20. Oktober

Ilka musste husten. Der Qualm brannte sich mit jedem Atemzug in ihre Lungen, ließ ihre Augen tränen. Thomas Leitner, der Chef der Spurensicherung, trat neben sie und reichte ihr einen Mundschutz. Eine Windböe trieb heiße Luft in ihr Gesicht. Asche wirbelte auf.

„Danke Thomas“, sagte sie mit einem gequälten Lächeln. „Habt ihr schon was gefunden?“

Thomas Leitner hielt eine Plastiktüte hoch.

„Diesen Stein haben wir am Waldrand gefunden. Es könnte die Tatwaffe sein.“ Ilka nahm die Tüte an sich und warf einen kurzen Blick auf die Blutspuren am Stein.

„Das Opfer wurde mit ziemlicher Sicherheit nicht im Schuppen erschlagen“, fuhr Thomas fort. „Wir haben Schleifspuren gefunden, die direkt zum Wald führen.“

Ilka drehte sich um. Der Wald bestand aus einer Mischung aus Kiefern, Eichen und Buchen, und war von schmalen Wegen durchzogen, auf denen sich tagsüber Jogger und Spaziergänger tummelten. Er grenzte direkt an das Land des Bauern. Links das Maisfeld und rechts die Weide, auf der seine Kühe grasten. Genau dazwischen stand noch bis gestern der Heuschuppen.

Ilka schaute zu den Männern in weißen Papieranzügen, die sich Stück für Stück durch die Asche kämpften. Hin und wieder steckten sie ein nummeriertes Täfelchen in die verbrannte Erde.

„Sonst noch was?“, wollte Ilka wissen.

„Nicht viel. Bei so einer Hitzeentwicklung bleibt nicht viel übrig.“ Er beugte sich über seinen Koffer und hielt Ilka ein weiteres Beweismittel entgegen.

„Diese metallischen Überreste stammen nach meinen bisherigen Erkenntnissen von einem Handy. Da ist nichts mehr zu holen.“

„Kannst du schon etwas über die Brandursache sagen?“ Thomas hob unschlüssig die Schultern.

„Vermutlich Brandstiftung“, antwortete er und wischte sich mit dem Ärmel über das mit Ruß beschmierte Gesicht. „Da wollte wohl einer auf Nummer sicher gehen. Ich schicke dir den Bericht zu, sobald wir alles ausgewertet haben.“

„Ja, danke.“ Ilka ging um die glühenden Reste herum und blieb neben einem Feuerwehrmann stehen.

„Wisst ihr, wer euch informiert hat?“
Mit einem Nicken wies er auf eine zusammengesunkene Gestalt, die ein paar Meter weiter auf dem Boden hockte. „Hannes Lohmann! Soviel ich weiß ist er der Bauer, dem die Scheune gehört.“

„Wann war das?“

„Den Notruf bekamen wir kurz nach zwanzig Uhr. Wir sind sofort losgefahren, aber da war nichts mehr zu machen.“

Ein übler Gestank schlug ihr entgegen. Der aufkommende Wind schob schwarze Rauchschwaden über das Land. Die Erde war bedeckt mit Pfützen aus schwarzem, vom Ruß gefärbtem Löschwasser. Von dem Schuppen waren nur noch glühende Holzreste und das zersplitterte Glas der Fensterscheiben übrig geblieben. Ilka wandte sich von der Glut ab und lief auf Dr. Anna Beringer zu.

„Hallo Anna. Schon etwas herausbekommen?“ Die Pathologin machte noch ein letztes Foto und zog das Leichentuch über den Kopf des Brandopfers.

„Nein, nicht wirklich. Der Körper ist derart verbrannt, dass ich nicht einmal sagen kann, ob es sich um eine Frau oder einen Mannes handelt. Ich lasse die Leiche zur Obduktion in die Pathologie bringen. Ohne DNA-Analyse kommen wir da nicht weiter. Vielleicht weiß ich morgen schon ein bisschen mehr.“

Der Geruch von verbranntem Fleisch stieg Ilka in die Nase. Sie unterdrückte einen Fluch.

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